Brief des CEO

DR. EGBERT LAEGE Chief Executive Officer

Entlang der gesamten Wertschöpfungskette haben wir 2025 einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Europa geleistet und damit gleichzeitig marktwirtschaftliche Stabilität für unsere Kunden geschaffen.

Liebe
Leserinnen und Leser,

2025 war für SEFE von einem dynamischen und herausfordernden Marktumfeld geprägt. Geopolitische Spannungen, regulatorische Unsicherheiten und volatile Rahmenbedingungen beeinflussten die Energiemärkte weltweit und verlangten hohe operative Disziplin, ein konsequentes Risikomanagement und klare strategische Entscheidungen. Trotz dieser Bedingungen in den globalen Energiemärkten ist es uns gelungen, SEFE im vergangenen Geschäftsjahr zu einem der führenden Gasimporteure in Europa weiterzuentwickeln und unsere strategischen Prioritäten im Hinblick auf die zukünftige erfolgreiche Privatisierung zu schärfen. Unsere Aktivitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, die Resilienz der Geschäftsbereiche sowie die konsequente Ausrichtung auf Versorgungssicherheit, Kundenbedarf und Dekarbonisierung haben dazu beigetragen, dass wir unsere Position im Branchenvergleich deutlich ausbauen konnten.
 

Unsere operativen Erfolge und die Weiterentwicklung unseres Geschäfts haben sich 2025 trotz anspruchsvoller Marktbedingungen in einer stabilen finanziellen Performance widergespiegelt. So belief sich das operative Bruttoergebnis auf 1.439 Mio. EUR nach 1.697 Mio. EUR im Vorjahr. Der leichte Rückgang ist im Wesentlichen auf die hohen geopolitischen Risiken in den globalen Energiemärkten und die daraus resultierenden Preisentwicklungen zurückzuführen, die insbesondere das Handels- und Speichergeschäft belastet haben. Der Ausbau der Kundenbasis in den Bereichen Erdgas und Strom, höhere Vertriebsabsatzmengen, eine deutliche Ausweitung des Flüssigerdgasgeschäfts sowie erfolgreiche Hedging-Aktivitäten haben dagegen das Ergebnis gestützt. Das EBITDA lag mit 789 Mio. EUR unter dem Vorjahreswert von 1.127 Mio. EUR. Das Jahresergebnis belief sich, getrieben vom operativen Betriebsergebnis, auf 289 Mio. EUR nach 637 Mio. EUR im Jahr 2024. Insgesamt erzielte SEFE damit das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Konzerns. Das zeigt, dass wir 2025 Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung auch unter komplexen Rahmenbedingungen erfolgreich miteinander verbinden konnten. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Beschaffung über Handel und Transport bis hin zu Speicherung und Vertrieb haben wir einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Europa geleistet. Damit haben wir gleichzeitig marktwirtschaftliche Stabilität für unsere Kunden geschaffen.
 

Globale Partnerschaften 
für Stabilität im Wandel

Eine sichere Energieversorgung in Deutschland und Europa bleibt unser Auftrag. Dazu haben wir im vergangenen Geschäftsjahr unser Bezugsportfolio mit neuen internationalen Liefer- und Handelspartnerschaften weiter ausgebaut. Eine bestehende Vereinbarung mit dem US-amerikanischen LNG-Projektentwickler Venture Global haben wir 2025 erweitert. Auf dieser Grundlage rechnen wir damit, ab 2029 mehr als drei Millionen Tonnen Flüssigerdgas (rund 46 TWh) zu beziehen. Die Lieferungen sind für 20 Jahre vorgesehen und tragen zur Versorgungssicherheit in Europa bei. Auch unsere erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem emiratischen Flüssigerdgashersteller ADNOC haben wir 2025 weiter vertieft: Seit dem vergangenen Jahr beziehen wir über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt 0,7 Millionen Tonnen Flüssigerdgas aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, ergänzend zu den mit ADNOC bereits 2024 vereinbarten und ab 2028 startenden Liefermengen von jährlich rund einer Million Tonnen kohlenstoffarmem Flüssigerdgas. Einen Meilenstein in der Diversifizierung unseres Portfolios stellt der Einstieg in den Flüssigerdgasimport aus Argentinien dar. Southern Energy wird uns ab 2027 zwei Millionen Tonnen Flüssigerdgas pro Jahr liefern. So ergänzen wir nicht nur unsere regionalen Bezugsquellen um Südamerika: Damit hat SEFE gleichzeitig als erstes Unternehmen weltweit einen langfristigen Liefervertrag über Flüssigerdgas mit Argentinien abgeschlossen.

Ergänzend dazu haben wir 2025 neue Quellen für den Import von Pipelinegas erschlossen. Mit SOCAR, der staatlichen Öl- und Gasgesellschaft Aserbaidschans, wurde im vergangenen Geschäftsjahr ein zehnjähriger Erdgas-Abnahmevertrag in Höhe von bis zu 15 TWh bzw. rund 1,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr vereinbart. Die Lieferungen haben bereits 2025 begonnen und eröffnen eine zusätzliche Route zur Versorgung des europäischen Marktes. Mit diesen langfristigen Liefervereinbarungen über verschiedene Energieträger, Regionen und Transportwege hinweg stärken wir nicht nur die Versorgungssicherheit Europas, sondern festigen auch weiter unsere Position im globalen Gashandel.

Darüber hinaus haben wir unser Kundenangebot strategisch erweitert und bieten seit 2025 neu auch Strom in Deutschland an. Strom ist seit Jahren ein fester Bestandteil unseres Portfolios – insbesondere im Vereinigten Königreich, wo wir zu den führenden Anbietern zählen. Mit dem Start des Stromvertriebs in Deutschland nutzen wir im Rahmen unseres integrierten Plattformmodells unsere bestehenden Handels- und Vertriebsstrukturen und unsere Expertise nun in einem weiteren Kernmarkt. Der Einstieg in den deutschen Strommarkt ist für SEFE daher ein strategischer Meilenstein auf dem Weg zu einem führenden integrierten Energieunternehmen in Europa.

Auch den Metallhandel haben wir 2025 erfolgreich ausgebaut. Bereits 2024 haben wir, ergänzend zu unseren langjährigen Handelsaktivitäten insbesondere im Bereich Gas, den Finanzhandel mit Metallen gestartet. Der Aufbau des physischen Metallhandels markiert nun die nächste Phase in der Umsetzung unserer Metallstrategie.

Management Council

des SEFE-Konzerns
(von links nach rechts)
  • GÖTZ GÖRGEN Chief Information Officer
  • HAMEAD AHRARY Chief Sales Officer
  • DR. EGBERT LAEGE Chief Executive Officer | Geschäftsführer
  • DR. CHRISTIAN OHLMS * Chief Financial Officer | Geschäftsführer
  • FRÉDÉRIC BARNAUD Chief Commercial Officer
  • * bis 27. Mai 2026


Dekarbonisierung für eine sichere Energieversorgung

Dekarbonisierung ist für SEFE kein Zukunftsversprechen, sondern ein konkreter Transformationsprozess, den wir aktiv umsetzen. Eine zentrale Rolle spielt dabei unsere Transportinfrastruktur: Mit der vollständigen Konsolidierung der WIGA-Gruppe verfügen wir über ein mehr als 4.200 Kilometer umfassendes Gastransportnetz in Deutschland – ein Rückgrat der europäischen Energieversorgung und zugleich ein entscheidender Hebel für die Transformation des Energiesystems.

Trotz regulatorischer und makroökonomischer Unsicherheiten arbeiten wir am schrittweisen Übergang von Erdgas zu klimafreundlichen Energieträgern, um den Kundenbedarf an kohlenstoffarmer Energie im Zuge der Energiewende zu decken. Gleichzeitig überprüfen wir kontinuierlich unsere strategische Ausrichtung vor dem Hintergrund der sich verändernden Marktgegebenheiten und der geltenden EU‑Regulatorik. Dabei setzen wir bestehende Anpassungsbedarfe sukzessive um, um den Anforderungen zu entsprechen.

Ungeachtet der herausfordernden Rahmenbedingungen des Hochlaufs des Wasserstoffmarktes haben wir 2025 im Rahmen des Projekts „Flow – making hydrogen happen“ erstmals rund 400 Kilometer bestehender Leitungen erfolgreich auf Wasserstoff umgestellt und befüllt. Mit dieser technischen Pionierleistung im Bereich Wasserstofftransport leisten wir einen konkreten Beitrag zum Aufbau des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes und zeigen, wie bestehende Infrastruktur für eine klimaneutrale Energiezukunft genutzt werden kann. Darüber hinaus prüfen wir gemeinsam mit Industriepartnern Lösungen für CO₂-Management, um perspektivisch auch Transport, Speicherung und Nutzung von CO₂ zu ermöglichen. Diese Aktivitäten folgen einem klaren Nachhaltigkeitsanspruch. 2025 haben wir unsere ESG-Ziele konsequent weiterverfolgt, um unsere Treibhausgasemissionen zu reduzieren und bei unseren Klimazielen auf Kurs zu bleiben – sowohl in unseren eigenen Anlagen als auch entlang der Lieferkette. 

Ausblick

Das Jahr 2026 erweist sich als erneut anspruchsvoll für die Weltwirtschaft und bleibt von erheblichen Herausforderungen geprägt. Geopolitische Spannungen, zunehmende nationalstaatliche Interessenpolitik sowie Energie als machtpolitisches Instrument bestimmen weiterhin das Umfeld. Die Eskalation rund um den Iran und die daraus resultierenden Risiken für Energieversorgung und Lieferketten führen die anhaltenden Spannungen eindrücklich vor Augen und unterstreichen die hohe Abhängigkeit der globalen Wirtschaft von einer verlässlichen Energieverfügbarkeit. Diese Entwicklungen gehen zugleich mit Chancen für unser breit aufgestelltes Handels- und Beschaffungsportfolio einher. Ein umsichtiges Risikomanagement, strategische Flexibilität sowie die enge Zusammenarbeit mit bestehenden und neuen Partnern bleiben daher zentrale Voraussetzungen für unseren nachhaltigen Erfolg und die Resilienz unseres Unternehmens.

Wir werden unser Portfolio weiter konsequent diversifizieren und ausbauen. Gas bleibt dabei ein wichtiger und unverzichtbarer Energieträger, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Gleichzeitig bauen wir unseren erfolgreich gestarteten Stromvertrieb in Deutschland weiter aus und ergänzen ihn schrittweise um grüne Produkte, CO₂-Handel und Energiedienstleistungen. Unser Ziel ist es, durch Portfoliodiversifizierung und langfristige Kundenbindung einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Parallel investieren wir weiter in die Modernisierung und den Ausbau unserer Transportinfrastruktur. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Pipelineumstellungen im Rahmen des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes sowie auf der Vorbereitung von CO₂-Transportlösungen auf dem Weg zu nachhaltigeren Energiesystemen.

Unser Anspruch bleibt dabei klar: Wir wollen die Energieversorgung als starker Partner in Deutschland und Europa verlässlich sichern, unsere Kunden mit wettbewerbsfähigen Lösungen auf ihrem Weg zur Dekarbonisierung unterstützen und die Versorgung der europäischen Wirtschaft mit Metallen und Rohstoffen stärken. Diese strategischen Schwerpunkte bestimmen auch die Weiterentwicklung von SEFE und tragen zu einer erfolgreichen Privatisierung bei.

2025 hat insbesondere unsere weltweit über 2.000 Mitarbeitenden stark gefordert. Mein besonderer Dank gilt ihnen: Mit ihrem Einsatz, ihrer Kompetenz und ihrem Verantwortungsbewusstsein stellen sie sicher, dass SEFE auch unter herausfordernden Bedingungen verlässlich, leistungsfähig und kundenorientiert bleibt. Mein Dank gilt ebenso dem Aufsichtsrat für die stets vertrauensvolle und konstruktive Unterstützung in der Weiterentwicklung von SEFE.


Herzlichst

Ihr 
Egbert Laege